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London Schizophrenia.

August 15, 2011
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Abb.1: 'The City and The City'. Straßenszene in London, 2010. (CC Ian Wood/Flickr)

Owen Hatherley hat eine weitere lesenswerte Perspektive zu den Unruhen in London und Großbritannien. Segregation, Ghettoisierung der sozialen Unterschichten, finde man in London, Manchesters, Birmigham und den weiteren Städte, in denen es zu Ausschreitungen kam, nicht:

„Edinburgh might wall off its poor in Muirhouse or Leith, and Oxford might try not to think about Blackbird Leys, but in London, Manchester/Salford, Liverpool, Birmingham, Bristol, Nottingham—the cities that erupted on Monday 8th August—the rich live, by and large, next to the poor: £1,000,000 Georgian terraces next to estates with some of the deepest poverty in the EU. […] We’ve learnt about ’spatial segregation‘, so we do things differently now.“

Aber das löst freilich keines der Probleme – im Gegenteil. Hatherley sieht London als Vorbild für China Miévilles Roman The City and The City. Dort existieren zwei Städte parallel und synchron am selben Ort – während deren Bewohner handeln als sei dem nicht so. In einer Stadt wie London muss man sich aber auch das offenbar erst einmal leisten können. Will Wiles weist auf die massiven Einschränkungen hin, denen die Bewohner der ‚Stadt der Unterschicht‘ tagtäglich begegnen, während die Vermögenderen sich innerhalb einer völlig anderen Wahrnehmungsumgebung. Diese wird Geschaffen mit Hilfe des Crime and Disorder Act 1998. Die ‚Anti-Social Behaviour Orders‘ (ASBO) erlauben der Polizei Kontrollen, Festnahmen und Platzverweise wegen Vergehen, die von Dealen, Drogenkonsum und Vandalismus bis zu Betteln, Spucken und Lärm reichen. Der Soziologe Jeremy Gilbert beschreibt die Folgen gegenüber der taz:

„Zusätzlich [zu den ASBOs, S.S.] existieren bereits informelle Ausgangssperren, wenn etwa Polizisten nach einer bestimmten Uhrzeit wahllos Jugendliche auf der Straße kontrollieren. Die Kriminalisierung von Armut ist jedoch weniger grobschlächtig als noch in den 1970ern, als Polizisten auch ohne Grund auf Schwarze eingeschlagen haben. Heute sind die Vorgänge subtiler, aber auch intensiviert. Entscheidend ist dabei der Besitz von Wohneigentum. In Walthamstow, wo ich lebe, hat die Eigentum besitzende Mittelklasse keine Ahnung von den Lebensverhältnissen in den Blöcken mit Sozialwohnungen. […] Für meine Nachbarn müssen die Ausschreitungen daher wie ein spontaner Ausbruch von willkürlicher Gewalt aussehen.“

Für Heatherley muss das Augenwischerei sein: „All of us, all along – if we’re honest for a microsecond – knew this was a ludicrous way to build a city, to live in a city.“