Archive for the ‘Raum’ Category

… ein Meister aus China.

Juli 19, 2011

In der Wochenendeausgabe der F.A.Z. war ein interessantes Portrait Ole Scheerens zu lesen, geschrieben von Dieter Bartetzko. Schon diese die Konstellation macht hier einen gewissen Reiz aus. Ole Scheeren, vormals ‚Zauberlehring‘ Rem Koolhaas‘ bei OMA und nun selbstständiger Architekt in Peking und Entwerfer diverser Hochhäuser oder vorerst noch Hochhausprojekte. Dieter Bartetzko als Architekturkritiker der F.A.Z., der sonst eher Geisterbeschwörer wie Hans Kollhoff oder Christoph Mäckler zu schätzen scheint.

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Abb.1: Ole Scheeren, OMA. MahaNakhon, Bangkok. (via Archdaily; © Ole Scheeren, OMA)

Beeindruckend ist vor allem, wie sehr Scheeren Bartetzko beeindruckt zu haben scheint. Es wäre sicherlich zu viel einem zu recht geachteten Journalisten eine naive Herangehensweise unterstellen zu wollen, sonderlich kritisch ist sie dennoch nicht. Beispielsweise dann, wenn Bartetzko die obligatorische Menschenrechtsfrage stellt, die offenbar allen in China arbeitenden Architekten irgendwann gestellt werden muss. Fadenscheinige Antworten darauf kennt man bereits, Scheerens Antwort er sei sicher, „dass selbt im Zeitalter des Internets un der Blogs alle noch gar nichts über China wissen, obwohl jede zweite Schlagzeile mit China beginnt.“ ist hingegen im Prinzip doch eine ziemliche Frechheit – die Bartetzko wiederum „entwaffnend gelassen“ findet. Mann muss den Gefragten wohl zugestehen, dass es auf diese ebenso fadenscheinige Frage schlicht keine richtige Antwort geben kann. Scheerens Antwort hingegen kann wohlwollend betrachtet bestenfalls unüberlegt sein. Man könnte es auch so verstehen: Die Unkenntnis der chinesischen Verhältnisse lässt uns die miserable Menschenrechtssituation als problematisch erscheinen, obwohl sie eigentlich irgendwie, irgendwo, irgendwoher aus der chinesischen Kultur ihre Berechtigung hat. Das es so nicht gemeint gewesen sein kann, ist relativ klar, dass der Autor an dieser Stelle nicht weiter nachfragt umso erstaunlicher.

Rekonstruktionsstudie DomRoemer

Abb.2: Rekonstruktionsstudie 'Hinter dem Lämmchen', Frankfurt. (© DomRömer GmbH)

Nicht nur an dieser Stelle wirft der Abriss des Gesprächs, den Dieter Bartetzko dem Leser vorsetzt, die Frage auf, warum das Portrait eigentlich kein Interview ist? Auch an anderer Stelle wünschte man sich den genauen Wortlaut zu kennen. Etwa dann, wenn er Scheerens Anmerkung zur Diskussion verschiedener Filmkulissen beschreibt:

„Die hiesige Architektur erscheine ihm kulissenartig, worin sich eine ’schockierende Leere der Inhalte und die Abwesenheit von Idealen, fehlende Bereitschaft zur Veränderung‘ ausdrücke.“

Natürlich sind die möglichen Auslegungen vielfältig und reichen über das Naheliegende (vgl. Abb.2) hinaus. Hier wünscht man sich lesen zu können, was Dieter Bartetzko darauf erwiderte – wenngleich das wahrscheinlich weniger interessant gewesen wäre als das jetzt ungesagt gebliebene. Der Gedanke lässt sich aber eben auch weiter spinnen. Denn zweifellos ist die beklagte „fehlende Bereitschaft zur Veränderung“ oft anzutreffen; auch abseits der Rekonstruktionsdebatten. Daraus ergibt sich die Frage, wo diese Veränderung stattfinden müsste und wie sich mögliche Antworten konkret – auch architektonisch! -– artikulieren könnten. Dazu müsste aber zunächst jene formal-ästhetische Ebene, auf der sich die gegenwärtige Diskussion um zeitgenössische Architektur – die eben auch mal nach Renaissance aussehen kann – hauptsächlich bewegt, verlassen werden. Denn diese Oberflächlichkeit scheint immer wieder den Blick für das Wesentliche zu verstellen. Wesentlich ist die Frage, in wieweit sich die zweifellos veränderten Lebensumstände räumlich – hier: architektonisch – niederschlagen. Denn obwohl oder auch gerade weil die technische Entwicklung unsere (räumliche) Lebensumwelt zunehmend beinflusst, scheinen sich grundlegende Bedürfnisse nicht in gleichem Maße verändert zu haben. Insofern wäre zu überlegen, ob eine architektonische Praxis letztlich nicht im Bewahren besteht. Darin, das als räumlich gut und schön Empfundene mit den extreme Ausmaße annehmenden Elementen der technischen Gebäudeausrüstungen in Einklang zu bringen.

Der Artikel erschien am 16. Juli 2011 unter dem Titel „Der Zauberlehrling ist nun der Meister” im Teil Bilder und Zeiten der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Sizilianische Situation – Abdrift.

Juni 23, 2011

Das mehr oder minder ziellose Herumlaufen ist, denke ich, auch diesseits aller Wissenschaftlichkeit eine ausgezeichnete Möglichkeit eine Stadt kennenzulernen. Das gilt für bekannte wie unbekannte Orte gleichermaßen, auch wenn ich persönlich meist (leider) erst des touristischen Blicks bedarf, um meine Aufmerksamkeit auch auf allerlei Profanitäten richten zu könne. Die vornehmlich visuelle Präkonditionierung dieser Herangehensweise, welche die Beobachtung hier maßgeblich beeinflusst, habe ich an anderer Stelle bereits gestreift.

Piazza Magione Palermo-fig.1

Abb.1: Panorama-Ansicht der Piazza Magione. (CC wikimedia commons/SS)

Vor einigen Monaten stieß ich bei einem dieser touristischen Streifzüge in Palermo auf einen kuriosen Ort. Gleichermaßen Park, Platz und Brache stellt die enorme Freifläche zunächst vor allem eine Ausnahmeerscheinung im dichten Gefüge der Altstadt dar. Was genau dieser Ort ist, weiß ich bis heute nicht; wie meine Kenntnisse hierzu samt und sonders vagen Versuchen die spärlich gestreuten, ausschließlich in Italienisch gehaltenen Informationstafeln zu entziffern, sowie wenigen kurzen Gesprächen entstammen. Der Name Piazza Magione jedenfalls bezeichnet offenbar eigentlich nur einen kleineren, an der süd-östlichen Ecke gelegenen Teil des Freiraums.

Piazza Magion fig.3

Abb.2: Ansicht von Süden. (CC wikimedia commons/SS)

Der weitläufige Raum ‚entstand‘, soweit mir bekannt, im Jahr 1943, als (beinahe) alle ehemals auf dem Gelände befindlichen Gebäude durch einen Bombenangriff zerstört wurden. Tatsächlich sind die Grundmauer der Gebäude vielfach noch sichtbar und die Straßenführung entspricht anscheinend weiter der historischen (Abb.4). Das einzige erhaltene Gebäude ist bezeichnenderweise ein ursprünglich offenbar kirchlichen Zweck dienendes – was selbstverständlich eine entsprechende Mythenbildung zufolge haben musste.

Piazza Magione fig.3

Abb.3: Südansicht des stehengebliebenen Gebäudes. Die Inschrift über die Tür lautet "sapientia aedivicavit sibi domum"; dt.: "Die Weisheit hat sich ein Haus gebaut". (CC wikimedia commons/SS)

In den letzten beinahe 70 Jahren wurde die Fläche nicht wieder bebaut. Mehr noch, die Straßenkanten wurden beibehalten, die Grundmauern belassen, über alles weitere Gras wachsen gelassen. Alles befindet sich undefinierter Undefinierbarkeit, bildet einer Art Dritter Landschaft, jedoch ohne dabei an Mythos einzubüßen. Zweifellos trage ich nun ebenfalls tatkräftig zur Mythenbildung bei, vor allem weil ich keine wirkliche, kein greifbare Aussagen geben kann. In meiner Erinnerung – drei Monate nach der unmittelbaren Erfahrung – ist der Ort die Entdeckung einer eigentümlichen psychogeographische Situation. Denn es ist durchaus bemerkenswert, welchen Eindruck der Ort ohne oder gerade wegen geringer bis gar keiner Vorkenntnis zu seiner Geschichte, seinem Zweck, letztlich völliger Unkenntnis seines Wesen hinterlässt. Ich weiß nicht, ob und wie Palermitaner den Ort nutzen, betrachten, begreifen. Ob er ihnen ähnlich mythisch und mystisch erscheint. Dem Abdrift (derivé) dort folgt so ein Abschweifen hier; ohne greifbare Thematik, ohne erkennbares Ziel.

Piazza Magione Palermo fig.4

Abb.4: Grundmauern der im Krieg zerstörten Gebäude. (CC wikimedia commons/SS)

Sehen mit den Ohren.

Juni 14, 2011

Kürzlich schrieb ich, die auditive Wahrnehmung sei ein im allgemeinen Architekturdiskurs vernachlässigter Aspekt. Sicherlich ist die Diskussion von visuellen Betrachtungen (oha!) dominiert, bei genauerem Hinsehen – hört, hört! – zeigt sich jedoch, dass es eine bereits ganze Reihe von Versuchen der Auseinandersetzung mit dem Thema gibt. Neben einer Ausgabe der Zeitschrift Daidalos (Nr.17, 1985) gibt es diverse künstlerische Projekte, wie die Ulrich Troyers. Dennoch handelt es sich weiterhin um eine geringe Zahl immer wiederkehrender Akteure wie Bernhard Leitner, Wolfang Meisenenheimer und einigen anderen.

In der Daidalos-Ausgabe zum ‚hörbaren Raum‘ findet sich ein Gespräch zwischen Bernhard Leitner und Ulrich Conrads. Leitner:

„Der Klang eines Raumes hat Wirkung auf das vegetative Nervensystem; weitgehend der bewußten Kontrolle entzogen, werden Herz, Atemfrequenz, Blutdruck samt der psychosomatischen Implikationene beeinflußt; kurz, das körperlich-geistige Wohlbefinden. Dadurch, daß die moderne Architektur diese Phänomene unterbewertet, wenn nicht überhaupt vernachlässigt hat, ist sicher großer Schaden angerichtet worden. Hier muß angefügt werden, daß wir große Schwierigkeiten haben, über das Hören von Raum, über den hörbaren Raum zu sprechen. Es fehlen die Begriffe. Unsere im Visuellen verankerte Sprache versagt.“ (S. 28)

Man möchte anfügen, dass die verbale Kommunikation über Architektur überhaupt und allgemein mit extremen Schwierigkeiten behaftet scheint. Die körperliche Raumwahrnehmung, wie sie Leitner und Conrads hier diskutieren, hat Wolfgang Meisenheimer 2004 ebenfalls in seinem Buch Das Denken des Leibes und der architektonische Raum thematisiert. Interessant ist eine konkretes Erlebnis, das Ulrich Conrads im weiteren Verlauf des Gesprächs beschreibt:

„Vor nicht langer Zeit bewohnten wir für einige Tage ein kleines einfaches Haus in der Toscana, drei etwa gleich große Räume und eine Küche, die alle von einem Flur aus zu betreten waren. Die Zimmer waren etwa so hoch, wie ihre Seitenwände lang waren, also fast regelmäßige Kuben. Die Böden waren sämtlich mit harten Ziegeln ausgelegt. Sehr bald stellten wir fest, daß wir uns in allen vier Räumen ausgesprochen leise unterhalten mußten, um einander zu verstehen. Von Zimmer zu Zimmer aber, über den Flur hinweg, mußten wir sehr laut rufen, fast schon schreien, um uns verständlich zu machen. In den Räumen selbst verwandelte sich das laut gesprochene Wort in ein unartikuliertes Hallen; in der Entfernung von Raum zu Raum blieben nur die Rachen- und Zischlaute unserer konsonantenreichen Sprache übrig. Wir erfuhren: in diesem Haus mußte man italienisch sprechen, vokalisch, offen, klangvoll, laut. Oder einfach leise sein auf eine für uns fast mühsame Weise. Es war nicht für unsere Sprache gebaut.“ (S. 30-31)

Hier zeigt sich wiederum etwas ganz entscheidendes: Wir – ich pauschalisiere Conrads Erfahrung hier der Einfachheit halber etwas – sind offenbar kaum oder nur schwer in der Lage das akustische Wesen eines Raumes zu begreifen. Die fehlenden Begrifflichkeiten, wie sie Bernhard Leitner beschreibt, führen dabei zu einer Schwierigkeit, welche über die der Kommunkation behinausgeht. Ohne eine entsprechende Terminologie nämlich dürfte es dem Wahrnehmenden sehr schwer fallen, die subjektive Erfahrung auch nur gedanklich zu fassen.

Ulrich Troyers Projekt Sehen mit den Ohren befasst sich mit der alltäglichen Wahrnehmung sechs blinder Menschen in der Wien. (Der Eindruck der originalen 5-Kanal-Klanginstallation lässt sich aus der Aufnahme sicher nur erahnen.) Die Protagonisten haben, indem sie dem Gehörten Informationen entnehmen, die der Sehende visuell aufnimmt, eine sehr eigene Wahrnehmung der Stadt. Das Projekt erscheint dabei als eine Art Grundlagendforschung, die deutlich macht, was ein Sehender so sicherlich nur sehr schwierig beschreiben könnte. Denn die akustische Wahrnehmung einer Auskragung, eines Erkers oder dergleichen – um dieses Beispiel aus dem Beitrag aufzugreifen –, dürfte für Sehende wie nicht-Sehende im wesentlichen ähnlich sein. Erster jedoch wird sich durch seine Präkonditionierung dessen wohl weniger bewusst sein und damit kaum oder nur sehr schwer in der Lage sein diese Erfahrung auch nur wiederzugeben. Wenn Conrads sein Ferienhaus als für italienisch sprechenden Menschen gebaut beschreibt, ist das sicherlich nachvollziehbar, aber ebenso ihm als auch mir und sehr wahrscheinlich den meisten anderen Menschen dürfte unklar bleiben, warum das so ist. Wieso das Haus klingt wie es eben klingt. Ebensowenig dürfte es bewusst entsprechend entworfen worden sein. Die anonymen Architekten werden ihre Raumkompositionen aus langer Erfahrung entwickelt haben, aber welche Bedeutung hat das für die zeitgenössische Architektur. Es bedarf zunächst eben jener Terminologie, deren Fehlen Bernhard Leitner beklagt, um die akustische Wirkung eines Raumes mit dem Entwurf in Verbindung bringen und gemeinsam denken zu können. Die Raumakustik als (Fach-)Disziplin existiert zwar bereits, scheint aber nur in Verbindung mit speziellen Architekturaufgaben, wie der Gestaltung eines Konzertsaals, gemeinsam mit der architektonischen Form gedacht zu werden. Sicherlich gibt es bereits zahlreiche solcher Ansätze, die ich aus purer Unkenntnis auszulassen gezwungen bin.

Architektur und auditive Wahrnehmung.

Mai 22, 2011
Eugène Atget, Rue de Cléry und rue d'Aboukir, Paris 2nd arr.

Abb.1: Eugène Atget, Rue de Cléry und rue d'Aboukir, Paris 2nd arr. (Bibliothèque nationale de France/Wikimedia Commons)

Der Berliner Historiker Daniel Morat forscht im Rahmen seiner Habilitation zur den Klanglandschaft der Großstadt. Kulturen des Auditiven in Berlin und New York 1880-1930. Am 19. Januar hielt er in Zusammenhang mit diesem Thema einen Vortrag im Potsdamer Einstein-Forum mit dem Titel Die Metropole hören, der als Podcast bei Dradio Wissen zu finden ist. Morats Forschungsinteresse gilt der auditiven Wahrnehmung in der Moderne, hier vor allem in Bezug auf die modernen Großstadt. Bis heute jedoch gehe das vorherrschende Denken, so Morat, von einem Primat des Visuellen in der Moderne, vor allem in der modernen Großstadt aus. Die herausragende Rolle des Visuellen werde dabei vor allem auf die Entdeckung der Perspektive in der Renaissance, die Entstehung des Buchdrucks, und der Definition des des Cartesianischen Erkenntnissubjekts als Beobachtersubjekt zurückgeführt. Darüber hinaus seien die rasante Weiterentwicklung optischer Medien im 19. Jh. und die Anonymisierung des großstädtischen Lebens hierfür historisch entscheidend gewesen. Die daraus entstandene Fixierurung auf das Visuelle, vor allem bei Georg Simmel, Siegfried Cracauer und Walter Benjamin, manifestiere sich in der Figur Flaneurs. Morat beschreibt die Wahrnehmung der (Großstadt-)Geräusche in ihrer historischen Entwicklung, die ich hier nicht in ganzem Umfang nachzeichnen möchte. Interessant erscheint mir vor allem der vom kanadischen Komponisten Murray Schafer in den 1970er Jahren etablierte Begriff der soundscape. Im Rahmen seines World-Soundscape-Projects habe Schafer, so Morat, „ausgefeilte Methoden und eine elaborierte Begrifflichkeit zur Analyse und Beschreibung der Akustischen Umwelt entwickelt, […] Die Definition des Begriffs soundscape kombiniert dabei die Beschreibung der akustischen Umwelt mit deren Wahrnehmung und Deutung.“

Audio 1: Klang des Berliner U-Bahnhofs Schlesisches Tor. (cc yukiovmking)

Ebenso wie Morat es für die Auseinandersetzung mit der modernen Großstadt beschreibt, ist auch die historiografische Untersuchung von Architektur – sprich: die Architekturgeschichte im engeren Sinne – eine in erster Linie visuell orientierte Disziplin. In seinem Buch Experiencing Architecture widmet Steen Eiler Rasmussen beispielsweise dem Kapitel Hearing Architecture knappe 13 der insgesamt 257 Seiten. Rasmussen beschreibt darin unter anderem die Wechselwirkung christlicher Kirchen und der für sie komponierten Musik. So seien in frühchristlichen Basiliken gesungenen Choräle beispielsweise in einem akustischen Kontext entstanden, in dem das normalem Sprechen folgende Echo das Gesprochene bis zur Unkenntlichkeit verzerrt habe. Aus der Notwendigkeit einer anderen Rhythmik seien schließlich die Choräle entstanden. Rassmussen führt das für weitere Beispiele aus, die bezeichnenderweise mit Bildern und Plänen illustriert sind. Die akustische Aura eines Raumes findet, wie mir scheint, heute kaum einen Niederschlag in der Formulierung architektonischer Entwürfe. Bei Gebäuden mit entsprechender Funktion, wie Konzerthäuser und dergleichen, liegen die Dinger etwas anders. Es ist anzunehmen, dass dies mit auch mit einer vor allem visuell orientierten architekturhistorischen und -theoretischen Forschung zusammenhängt. Die Auseinandersetzung mit Akustik, beispielsweise in der Klangkunst, ist heute keine Seltenheit und mit Akteuren wie Bernhard Leitner befinden sich auch Architekten unter den Protagonisten. Glaubt man Steen Eiler Ramussen existiert „no longer any interest in producing rooms with differentiated acoustical effects – they all sound alike.“ Zweifellos aber – und das beschreibt auch Rassmussen so – hat die akustische Wahrnehmung eine nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Raumwahrnehmung insgesamt, wenngleich sie auf den visuell präkonditionierten Betrachter womöglich eher im Unterbewusstsein wirkt. Eine systematischere Untersuchung der auditiven Wahrnehmung vor allem moderner Architektur erscheint so jedoch als ein ebenso vielversprechendes Forschungsgebiet wie Daniel Morats Projekt zur Stadtwahrnehmung.